Das Migräne-Stammbuch

Oft fühlt man sich wohler, wenn man weiß, dass man nicht allein ist. Der Austausch über das Leben mit Kopfschmerz ist ein wichtiger Faktor, um sicher und selbstbewusst mit seiner eigenen Krankheit umzugehen. Schreiben auch Sie uns, wie es Ihnen geht oder wie Sie es geschafft haben, dass es Ihnen jetzt besser geht. Erzählen Sie uns zum Beispiel, wie Ihr erster Besuch bei einer Selbsthilfegruppe war und erleichtern Sie so anderen das Hingehen. Es ist wichtig, nicht nur Hilfe und Anweisungen von ÄrztInnen zu erhalten: Der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen ist eine Hilfe für viele Betroffene, das Leben mit Migräne leichter zu gestalten. Versuchen Sie Ihre schriftstellerische Ader zu entdecken und schicken Sie uns Ihre Geschichte!
e-Mail an migraene-individuell@publichealth.at.

Barbara T. (35): Viel zu lange erduldet
Das erste Mal hatte ich diese heftigen, pochenden Kopfschmerzen als ich 12 Jahre alt war. Seither begleiten mich Kopfschmerzen durch mein Leben. Ich dachte mir damals, dass das durch die Belastung herrührt, die die Scheidung meiner Eltern bei mir verursachte. Aber dann hatte ich immer wieder Anfälle, bestimmt drei, viermal im Monat. Dazu kamen dann auch Begleitsymptome wie Übelkeit, meine Nase begann zu rinnen und meine Augen taten weh. Um die Schmerzen irgendwie zu ertragen habe ich die Schmerzmittel meiner Eltern heimlich eingenommen – aber ich konnte meine Erkrankung natürlich nicht lange vor ihnen verstecken, zumal ich auch manchmal so heftige Attacken hatte, dass ich gar nicht zur Schule gehen konnten. Meine Lehrer glaubten, ich will mich nur vom Unterricht drücken, die Mitschüler verspotteten mich, ich sei eine Mimose. Ich fühlte mich nicht ernst genommen und versuchte, meine immer häufiger auftretenden Kopfschmerzattacken zu verdrängen. Aber die rächten sich nur dafür, dass ich sie ignorierte, mit schrecklichen visuellen Erscheinungen, die ich von nun an immer vor den Attacken hatte. Es beginnt immer mit einem kleinen Fleck in meinem linken Gesichtsfeld, der innerhalb von einer halben Stunde fast mein ganzes Gesichtsfeld einnimmt und mich damit so gut wie blind macht. Am Anfang kommt es mir immer so vor, als hätte ich zu lange in grelles Licht gestarrt. Der Fleck pulsiert dann in allen Farben und in wilden Zackenlinien. Beim ersten Mal dachte ich, ich bin jetzt blind oder habe einen Hirntumor, so schrecklich war das. Heute weiß ich, dass diese Aura nach etwa einer Stunde vorbei ist. Mein Arzt hat mir gesagt, dass man dagegen nichts machen kann. Gegen meine Schmerzen will ich mich aber wehren. Als ich 18 war wollte ich sie nicht länger so hinnehmen und suchte erstmals einen Arzt auf: Viel zu spät, wie ich heute weiß. Ich hab viel zu lange unnötig gelitten. Zum Glück kannte sich der Arzt gut mit Migräne aus, er war sogar selbst davon betroffen. Er erklärte mir, dass ich mein Leben ändern muss, wenn ich die Anzahl und Schwere der Attacken mindern will. Von nun an begann ich auf meinen Körper zu achten, Alarmsymptome ernst zu nehmen und mich nicht zu überfordern. Das fiel mir nicht immer einfach, aber ich habe gemerkt, dass es mir wirklich etwas bringt. Wir haben im Laufe der Jahre viele verschiedene Schmerzmittel ausprobiert, seit ungefähr zwei Jahren nehme ich jetzt eines, das mir wirklich hilft. Ich habe auch Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufgenommen und bin bis heute engagiertes Mitglied. Es gibt nichts Schöneres, als wenn sich Betroffene gegenseitig helfen können und ich hoffe auch meine Geschichte macht Mut!

Bettina I. (17): In der Schule ausgegrenzt
Ich bin 17 Jahre alt und hatte vor einem Jahr meinen ersten Migräneanfall. Ich musste drei Tage ins Krankenhaus, wo die Ärzte dann in zahlreichen Untersuchungen festgestellt haben, dass ich an Migräne leide. Seither habe ich immer mal wieder Anfälle. In der Schule versteht mich niemand, alle glauben ich gehe nicht gerne in die Schule. Dabei steht nächstes Jahr die Matura an und ich mache mir Sorgen, wie ich das mit meiner Migräne schaffen soll. Zum Glück haben meine Eltern Verständnis für mich. Meine Mutter hat schon versucht, sich bei meinen Lehrern für mich einzusetzen, aber die haben nur teilweise Verständnis. Ich habe mir jetzt sogar überlegt, später einmal Medizin zu studieren, um anderen Menschen die an Migräne leiden helfen zu können. Aber dazu muss ich erst einmal mir selbst helfen. Ich bin gerade dabei, ein neues Medikament auszutesten, das mir mein Arzt empfohlen hat. Zusätzlich gehe ich viel Schwimmen, weil ich gemerkt habe, dass mir das einfach gut tut. Ich glaube ich bin auf dem richtigen Weg, denn es geht mir schon bedeutend besser.
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